Montag, 14. November 2011

Willkommen in Absurdistan


Das Dorf An Nu’man ist ein Paradebeispiel für die vielen israelischen Absurditäten im Umgang mit den Palästinensern. Das Dorf gehört offiziell zu Jerusalem, die Bewohner haben aber Westbank-IDs. Sie sind damit illegal in ihren eigenen Häusern.

Wenn der Himmel klar ist, können die 200 Einwohner von An Nu’man im Osten die jordanischen Berge sehen. Schauen sie in die andere Richtung, sehen sie Bethlehem. Viele haben Verwandte in der nahen Stadt und gehen gerne zum Besuch vorbei. Wollen diese Tanten oder Grossväter aber ihre Nichten oder Enkel in An Nu’man besuchen kommen, scheitern sie am israelischen Checkpoint am Eingang zum Dorf. Nur die Bewohner von An Nu’man und Internationale dürfen das Dorf betreten, selbst Ambulanzen wurde in der Vergangenheit der Zugang verwehrt.

An Nu’man wurde im Sechstagekrieg im Jahr 1967 von Israel annektiert und zu Jerusalem geschlagen. Grundsätzlich gab Israel all denjenigen Palästinensern in annektiertem Gebiet (im Gegensatz zu besetztem Gebiet) eine israelische ID. Die An Nu’maner wurden jedoch fälschlicherweise als Westbank-Bewohner registriert und erhielten Westbank-IDs. Verschiedene Versuche des Dorfes, nachträglich israelische IDs zu erhalten, scheiterten am Widerstand der israelischen Behörden. Seither sind die Bewohner in ihren eigenen Häusern, wo sie seit Jahrzehnten lebten, illegal.

Keine Baubewilligung seit 1967
Weil das Dorf unter israelischer Kontrolle steht, müssen die Bewohner für den Bau eines neuen Hauses eine Bewilligung einholen. Seit 1967 erteilte die israelischen Behörden keine einzige solche Bewilligung. Aus der Platznot heraus bauten viele Familie ohne Erlaubnis, was aber jeweils eine Abbruchorder des israelischen Innenministeriums nach sich zog. Kürzlich hat es eine Familie mit drei kleinen Kindern erwischt. Um 5 Uhr morgens tauchte die israelische Armee mit Dutzenden von Jeeps und Soldaten und einem Bulldozer vor ihrem zweistöckigen Haus auf, gab der Familie zehn Minuten Zeit, ihr Hab und Gut in Sicherheit zu schaffen und begann mit dem Abbruch.

Was von dem zweistöckigen Haus in An Nu'man übrig blieb. Als der
Bulldozer den Abbruch begann, befand sich die Familie noch im Haus. 

Der abschreckende Effekt ist der israelischen Armee gewiss. Jungen Leuten bleibt nicht viel anderes übrig, als aus dem Dorf wegzuziehen. Wohnraum gibt es für sie in dem Dorf, in dem sie ihr gesamtes Leben verbracht haben, nicht. Den Wenigen, die Widerstand zu leisten versuchen, vergeht der Mut jeweils schnell - dafür sorgt die Armee. Die Familie mit den drei kleinen Kindern hat mit der Hilfe der Menschenrechtsorganisation ICAHD (Israeli Committee Against House Demolitions) ihr Haus vor einem Monat wieder aufgebaut. Am letzten Samstag kamen zwei israelische Soldaten nach An Nu'man - um Fotos von dem neuen, illegalen Haus zu machen.

Keine Kommentare:

Kommentar posten