Dienstag, 4. Oktober 2011

50 Olivenbäume für Israels Sicherheit


Gestern Morgen um 5 Uhr, noch vor Sonnenaufgang, ist die israelische Armee mit mehreren Bulldozern und Dutzenden Soldaten in Al Walaja eingefahren, um einen breiten Streifen Land für den Bau der Sperrmauer platt zu walzen. Gestern Morgen um 5 Uhr hat Muna Hajahla 50 Olivenbäume verloren.

Muna Hajahla sitzt zusammen mit drei ihrer Söhne stumm auf einem kleinen Vorsprung über der knapp 10 Meter breiten Schneise, welche die Bulldozer in die bezaubernde Landschaft von Al Walaja gefressen haben. Von den 50 Bäumen sind nur noch wenige herumliegende Äste zu sehen, ein Bulldozer schiebt sie gerade in den Graben neben der Schneise. Überraschend ist der Angriff auf ihr Land nicht gekommen. Vor einem Monat hat die israelische Armee mit den Vorbereitungen für den Bau der Mauer begonnen. Die Armee reagierte damit auf ein israelisches Gerichtsurteil von vergangenem August, welches die Klage der Bewohner von Al Walaja gegen den geplanten Verlauf der Mauer abschmetterte, wobei diese weit innerhalb palästinensischen Gebietes zu stehen kommen soll. Die Verluste der palästinensischen Bewohner, hiess es in dem Urteil, stünden in einem fairen Verhältnis zu dem israelischen Sicherheitsgewinn. Munas Ehemann hebt seinen Stock, den er wegen eines Rückenleidens als Gehhilfe benötigt, und simuliert damit ein Gewehr, mit dem er auf die israelische Seite der zukünftigen Mauer schiesst. „Als hätten wir die Hamas im Dorf“, sagt er und lächelt gequält.

Wo der Bulldozer Geröll wegräumt, standen vorhin die 
50 Bäume.
Die zehnköpfige Familie Hajahla verliert nicht nur die 50 Bäume, sondern auch den Grossteils ihres Landes, denn dieser wird auf der israelischen Seite der Sperrmauer und darunter zu liegen kommen. Im Gerichtsurteil wird zwar angekündigt, dass Israel einen Durchgang für die Bauern offen halten wird. Wie jedoch die Erfahrung zeigt und die United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees (UNRWA) in einem Bericht festhält, hat das System der so genannten „agricultural gates“ in anderen Dörfern der Westbank den Zugang zu Feldern „schwerwiegend eingeschränkt“.

Für die Hajahlas wäre es eine Katastrophe, gelangten sie nicht mehr auf ihr Land, lebt die Familie doch ausschliesslich vom Verkauf der Oliven und des Gemüses, das sie dort anpflanzen. Munas Ehemann hebt hilflos die Schultern und sagt: „Was können wir tun gegen Israel? Israel steht über dem internationalen Recht. Wir können einzig Gott um Hilfe bitten“.

Der älteste Sohn der Familie, 16-jährig, springt auf, als der letzte Bulldozer hinter dem Hügel verschwindet. Er eilt zu der Schneise hinunter und trägt die Äste, welche noch als Brennholz verwendet werden können, zum Haus der Familie hoch. Die Äste sind schwer vom Gewicht der Oliven. In zwei Wochen wären sie reif zur Ernte gewesen.

Drei Söhne der Hajahla-Familie beobachten den israelischen Bulldozer bei
letzten Aufräumarbeiten.

Al Walaja:
Al Walaja hat gut 2000 Einwohner und liegt neun Kilometer südwestlich von Jerusalem und vier Kilometer nordwestlich von Bethlehem. Nach Fertigstellung der israelischen Sperrmauer wird das Dorf gänzlich davon umgeben und nur durch einen Checkpoint zu erreichen sein. Die Mauer wird ein gutes Drittel des Landes von Al Walaja zu Israel schlagen.

1 Kommentar:

  1. Erstaunlich i bin so aufgeregt, hier auch Ihr Beitrag ist so nützlich für mich weiterhin Sharing halten.
    dank



    Olivenbaum

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